
Es war einmal ein Wandteppich, den ich mit viel Liebe und noch mehr Garn getuftet habe. Mit seinem freundlichen Gesicht und den großen Augen hängt er nun stolz an der Wand – und das ist vielleicht spannender, als ich jemals gedacht hätte! Denn kaum hängt er da, da beginnt er heimlich, den Raum genau zu beobachten.
Er lauscht den Unterhaltungen der Besucher und der Bewohner – und meine Güte, was er da alles mitbekommt! Vom peinlichen ersten Date auf dem Sofa bis hin zu hitzigen Diskussionen über die perfekte Wandfarbe. Manchmal belauscht er sogar Telefonate, die von geheimen Geburtstagsüberraschungen handeln oder davon, wie “jemand” sich heimlich ein Stück Schokolade aus dem Küchenschrank stibitzt.
Nachts wird es fast noch spannender. Wenn alles ruhig ist, huscht eine einsame Maus vorbei, oder eine Katze macht einen Abstecher, weil sie ein sicheres Versteck unter der Kommode vermutet. Einmal hat er sogar einen Staubsaugerroboter gesehen, der sich verirrt hat und im Kreis fuhr, als ob er gerade eine Mondlandung durchführt!
Aber das wirklich Tragische ist: Unser neugieriger Wandteppich kann nichts erzählen! Die Geschichten, die er hört, werden in seinen Fäden verwebt und bleiben dort für immer verborgen. Manchmal sieht es fast so aus, als würde er lächeln oder blinzeln, wenn er etwas besonders Lustiges hört – doch er bleibt still wie der gute Wandteppich, der er ist.